Solar-Gas ist ein Sammelbegriff für verschiedene gasförmige Energieträger, für deren Herstellung oder Anreicherung Sonnenstrahlung verwendet wurde. In Deutschland und weltweit existieren mehrere Forschungs- und Pilotprojekte, welche darauf hinarbeiten, Solarkraft in Form von Wasserstoff, Methan oder angereichertem Erdgas zu speichern. Sollten sich diese Technologien als kommerziell nutzbar erweisen, würden sie die Möglichkeit bieten, die tageszeitlichen Schwankungen der Sonneneinstrahlung zu kompensieren und die aus Sonnenstrahlung gewonnene Energie in bestehenden Infrastrukturen zu speichern, transportieren und zu verteilen.
Die Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) in Australien stellte 2008 eine Technologie vor, mit der durch Solarkraft und unter Zuhilfenahme eines Katalysators die Energiedichte von Erdgas um 26 % erhöht wird. Das solar angereicherte Erdgas kann somit wirtschaftlicher gespeichert und transportiert werden und verursacht pro Kilowattstunde der aus ihr erzeugten Energie ebenfalls 26 % weniger Kohlendioxid-Emissionen. Es ist kein Zufall, dass diese Technologie hier das Licht der Welt erblickt hat. Die Orte, an denen auf dem südlichen Kontinent Erdgas gefördert wird, weisen selbst für australische Verhältnisse viele Sonnenstunden auf. So kann hier Erdgas gleich am Förderort solar angereichert werden, sodass die gesamte Transportkette von der Platzersparnis profitiert. So wird diese Technologie vorerst nur dort kommerziell sinnvoll sein, wo Erdgas, große Flächen mit vielen Sonnenstunden und eine auf CO2-Reduktion ausgerichtete Energiepolitik gegeben sind.
Im etwas weniger sonnigen Deutschland plant Greenpeace ab 2012 Erdgas anzubieten, das mit bis zu 5 Volumenprozent gasförmigem Wasserstoff versetzt ist, das durch Elektrolyse aus überschüssigem Windstrom gewonnen wird. Windenergieanlagen produzieren bei der entsprechenden Wetterlage bisweilen mehr Energie, als im Stromnetz benötigt wird. Anlagen, die aus Windstrom Wasserstoff produzieren, machen diese Energie speicherbar. Sie arbeiten laut Greenpeace mit einem Wirkungsgrad von bis zu 73 %. Die Umweltorganisation bezeichnet dies als ersten Schritt hin zu Gas, das gänzlich aus regenerativen Quellen kommt. Die Beimischung von Wasserstoff zum Erdgas ist nur im einstelligen Volumenprozente-Bereich möglich, da sich sonst der Brennwert des Energieträgers zu sehr vermindert. Das könnte bei den heute verbreiteten Geräten, die auf den Betrieb mit Erdgas ausgelegt sind, zu Problemen führen. Um dies zu verhindern, könnte Wasserstoff in Zukunft in Methangas umgewandelt werden, welches Erdgas vollständig ersetzen kann; hierbei sind laut Greenpeace allerdings nur noch Wirkungsgrade von unter 64 % möglich.
Gas, das mit der Hilfe von Solarkraft hergestellt oder angereichert wird, bietet interessante Möglichkeiten, um graduell von fossilen auf erneuerbare Energiequellen umzusteigen, und dabei das bestehende Gasnetz weiter zu verwenden. Zur Zeit sind die Projekte, die Sonnenstrahlung auf diese Art speicherbar machen sollen, noch in der Entwicklungsphase. Ob und wie schnell diese Art der Energiespeicherung Fuß fassen wird, hängt vom Willen der Politiker in den Ländern ab, in denen Erdgas gefördert oder verbraucht wird. Auch Konsumenten, welche die Wahl zwischen verschiedenen Gasversorgern haben, können diese Entwicklung beeinflussen.




